Aktualisiert am 06.07.2010

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Fachbeiträge: Kyphoplastie Drucken

Kyphoplastie: Altes Problem - neue Lösung?

Zusammenstellung von Netzwerk-Osteoporose e.V.
Interview mit Prof. Dr. Nawroth u. PP Dr. Dr. Kasperk

Anfang des Jahres 1998 kam ein Verfahren mit der Bezeichnung "Ballon-Kyphoplastie" auf, das sich mit dem Problem der Behebung schmerzender Wirbelkörper-frakturen befasst.

Die Kyphoplastie erlaubt eine bedingte Aufrichtung von Wirbelkörperfrakturen durch einen unter Druck auffüllbaren Ballon. Nach dessen Entfernung verbleibt ein Hohlraum, der sodann mit höherviskösem Knochen-zement gefüllt wird.

Nach Ansicht von Prof. Nawroth und Dr. Kasperk (s. nachfolgendes Interview) ist es ein Verfahren, welches nur nach strenger Indikationsstellung und bei Patienten in gutem Allgemeinzustand eingesetzt werden sollte, welches aber bei Patienten mit schmerzhaften Wirbelkörperbrüchen, die mit konventionellen Schmerzbehandlungs-verfahren nicht gebessert werden konnten, auch sehr segensreich sein kann.

Animation Kyphoplastie
Illustration der Fa. Kyphon. Auf der Web-site der Fa. Kyphon unter www.kyphon-eu.com finden Sie weitere Infos.

Oder klicken Sie hier, um die Patientenbroschüre der Fa. Kyphon als PDF-Datei (243 KB) auf Ihren PC zu laden.

Namen und Kliniken der Kyphoplastie-Anwender in Deutschland finden Sie in dieser PDF-Datei (als Link).





Interview mit Prof. Dr. Nawroth u. PP Dr. Dr. Kasperk

NWO: Sehr geehrter Herr Prof. Nawroth, sehr geehrter Herr Dr. Kasperk, seit einiger Zeit wird über die Kyphoplastie, ein neuartiges Verfahren bei Osteoporose berichtet. Würden Sie uns bitte beschreiben, was dabei gemacht wird und was es bewirken soll.

Prof. Nawroth / Dr. Kasperk: Die Indikation für dieses neuartige Verfahren sind schmerzhafte Wirbelkörperfrakturen. Dabei wird mit einem Ballon der eingebrochene Wirbelkörper wieder aufgerichtete und in den dann wieder aufgerichteteten Wirbelkörper ein Knochenzement eingespritzt, der den WK stabilisiert und dadurch Schmerzen sofort oder in wenigen Stunden nach dem in Vollnarkose erfolgenden Eingriff nimmt. Wir verwenden entweder einen konventionellen Plastikzement (Methylmetacrylat-Kunststoff, “PMMA”), der unverändert im WK verbleibt, oder in Zukunft einen resorbierbaren Biozement, der innerhalb von Jahren wieder abgebaut wird und durch normales Knochengewebe ersetzt werden kann. Auch in den USA ist dieser Biozement für die Kyphoplastie noch nicht verfügbar.

NWO: Jedes neue Verfahren weckt neue Hoffnungen bei Patienten. Sind diese Hoffnungen Ihrer Erfahrung nach berechtigt? Konnten Sie bereits einige Erfahrung damit sammeln?

Prof. Nawroth / Dr. Kasperk: Wenn das Verfahren tatsächlich bei Patienten mit schmerzhaften WK-Brüchen, die mit konventionellen Schmerzbehandlungsverfahren nicht gebessert werden konnten, eingesetzt wird, ist es sehr segensreich und kann tatsächlich innerhalb von Stunden Schmerzfreiheit und gelgentlich auch Mobilität wieder herstellen, auch eine Korsettversorgung kann dadurch u.U. eingespart werden, was vielleicht bei der Kostenrechnung zu berücksichtigen ist.

NWO: Jede Operation birgt auch immer ein gewisses Risiko. Wie sieht denn die Komplikationsrate bei der Kyphoplastie aus?

Prof. Nawroth / Dr. Kasperk: Es ist ein Verfahren mit Risiken, welches nur nach strenger Indikationsstellung und bei einem Patienten in einem guten Allgemeinzustand eingesetzt werden sollte. Die schlimmste denkbare Komplikation ist eine Querschnittslähmung. Eindeutige Kontraindikationen sind vollkommen flach zusammengebrochene WK und Gerinnungsstörungen sowie Entzündungen im Knochengewebe. Komplikationsraten können noch keine zuverlässig angegeben werden, da es noch keine systematischen Untersuchungen dazu gibt. Seit Januar führen wir hier in Heidelberg aber eine solche systematische Studie durch und hoffen dann in 2 Jahren genaue Zahlen zu haben.

NWO: Wird die OP auch ambulant angeboten oder ist sie stationär durchzuführen? Wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt in der Regel?

Prof. Nawroth / Dr. Kasperk: Es ist ein in Vollnarkose stationär durchgeführtes Verfahren welches etwa 3 - 4 Tage beansprucht und vielleicht in Zukunft auch einmal ambulant angeboten wird. Bis dahin müssen aber erst noch viel mehr Erfahrungen mit diesem Verfahren gewonnen werden.

NWO: Und wie verläuft die Nachsorge? Kann diese ambulant durchgeführt werden?

Prof. Nawroth / Dr. Kasperk: Die Nachsorge ist stets ambulant und erfolgt im ersten Jahr nach dem Eingriff 3-monatlich, dann jährlich durch die ambulanten Nachuntersuchungen in unserer Osteologischen Ambulanz. Dazu gehören neben klinischen und labor-chemischen auch röntgenologische Kontrollen der behandelten Wirbelkörper. Zudem erhalten alle unsere Patienten ja noch ein medikamentöses Langzeitkonzept, denn die Knochenstoffwechselstörung, die ja erst das Problem der WK-Fraktur bewirkt hat, darf ja bei aller Freude über die Schmerzlosigkeit nicht vergessen werden. Alle unsere Patienten erhalten daher natürlich ein medikamentöses Langzeitkonzept, nachdem wir sie gründlich endokrinologsich-osteologisch untersucht haben und das Langzeitkonzept parallel zur Kyphoplastie entwickelt haben.

NWO: Das liebe Geld spielt ja auch immer eine Rolle. Bezahlen die Krankenkassen das Verfahren? Wenn nein, welche Summe müßten operationswillige Patienten aufbringen?

Prof. Nawroth / Dr. Kasperk: Das Verfahren kostet bislang noch ca. 3000 Euro, was überwiegend an dem teuren Ballonkatheter liegt, der bei der WK Aufrichtung großen Druck aushalten muß. Das Verfahren wird nicht generell von den Kassen übernommen. Wenn aber eine eindeutige Indikation besteht, was wir durch unser interdisziplinäres Kyphoplastiekolloquium gemeinsam mit Unfallchirurgen, Radiologen und uns als endokrinologische Osteologen sicherstellen, muß in jedem Einzelfall die Kosten-übernahme zunächst mit den Kassen abgeklärt werden.

NWO: Herr Prof. Nawroth, Herr Dr. Kasperk, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg.


Prof. Dr. Nawroth ist Medizinischer Direktor, PD Dr. Dr. Kasperk ist Leitender Oberarzt und Leiter der Sektion Osteologie der Medizinischen Klinik I der Universität zu Heidelberg.


Eine aktuelle Liste mit den Namen und Kliniken der Kyphoplastie-Anwender in Deutschland finden Sie in dieser PDF-Datei.

Zusammenstellung von Netzwerk-Osteoporose e.V.
Das Interview mit Prof. Dr. Nawroth u. PP Dr. Dr. Kasperk führte Karin G. Mertel
 
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