Die Bedeutung von Bisphosphonaten
zur Behandlung der Osteoporose
am Beispiel des Wirkstoffs Risedronat
Zusammenstellung von Netzwerk-Osteoporose e.V.
Karin G. Mertel
Janusz Bugaj
Neue Behandlungsmöglichkeit für Osteoporose-Patienten
Seit Anfang des Jahres 2003 steht mit Actonel, einmal wöchentlich 35 mg, ein neues Medikament zur Therapie der Osteoporose zur Verfügung. Actonel enthält den Wirkstoff Risedronat und gehört zur Gruppe der Bisphosphonate. Bisphosphonate hemmen die Knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) und führen dadurch zu einer Verminderung des osteoporotischen Knochenabbaus. In der Folge verringern Bisphosphonate das Risiko für osteoporosebedingte Knochenbrüche wie z.B. Wirbel- und Hüftfrakturen. Als bisher neuestes, verschreibungspflichtiges Bisphosphonat zur Einnahme in Tablettenform zeichnet sich Actonel durch seine besonders starke und schnell eintretende Wirksamkeit aus.
Pharmakologischer Hintergrund
Der Wirkstoff Risedronat (Actonel) ist ein sogenanntes Pyridinyl-Bisphosphonat und stellt eine Weiterentwicklung der Aminobisphosphonate dar. Im Vergleich zu den Bisphosphonaten der ersten Generation (z.B. Etidronat) weisen die Amino-bisphosphonate - z.B. Alendronat (Fosamax), Pamidronat (Aredia) - eine deutlich höhere antiresorptive Potenz (Wirksamkeit) auf, die durch das Vorhandensein eines Stickstoffatoms in einer Seitenkette des Moleküls begründet ist. Allerdings gab es bei den Aminobisphosphonaten in einigen Fällen Unverträglichkeiten im Magen-Darm-Trakt. Bei dem Pyridinyl-Bisphosphonat Risedronat (Actonel) konnte die Wirksamkeit durch Einbinden des Stickstoffatoms in eine chemische Ringstruktur weiter verbessert werden. Gleichzeitig wurde in dieser 3. Bisphosphonat-Generation die Verträglichkeit deutlich gesteigert - vermutet wird, dass durch das Fehlen einer freien Aminogruppe weniger Reaktionen mit der Oberfläche des Magen-Darm-Trakts auftreten.
Ergebnisse aus klinischen Studien
Die umfangreichen klinischen Studien zu Actonel mit mehr als 16.000 Patienten zeigen, dass die tägliche Anwendung von 5 mg Actonel eine wirksame und sichere Therapie der Osteoporose darstellt: Im ersten Behandlungsjahr wird das Risiko für das Auftreten neuer Wirbelkörperfrakturen, also Knochenbrüchen an der Wirbelsäule, um bis zu 70% reduziert. Hierbei ist eine signifikante Reduktion klinischer Wirbelkörperfrakturen bereits nach 6 Monaten erkennbar, das Risiko von Hüftfrakturen wird ebenfalls signifikant reduziert. Ein wichtiges Ergebnis aus den Studien ist außerdem, dass sowohl die sogenannten "klinischen", also schmerzhaften Wirbelfrakturen seltener auftraten als auch die sogenannten "morphometrischen / asymptomatischen" Wirbelfrakturen, d.h. solche, die zunächst keine Beschwerden verursachten und nur im Röntgenbild nachweisbar waren. Diese zunächst beschwerdefreien Wirbelfrakturen sind jedoch für den weiteren Krankheitsverlauf relevant, da alle einmal eingetretenen Knochenbrüche das Risiko für weitere, schmerzhafte Knochenbrüche dramatisch erhöhen.
Auch das Risiko für die sogenannten "nonvertebralen" Frakturen, also Knochenbrüche außerhalb der Wirbelsäule, kann durch eine moderne Therapie ähnlich rasch und effektiv reduziert werden werden. Hierunter fallen typischerweise Knochenbrüche an Schenkelhals, Unterarm, Oberam, Rippen und Knöchel. Eine schnelle Reduktion des Risikos für diese Frakturen spielt insbesondere für Patienten mit manifester Osteoporose eine große Rolle, da diese Patienten am meisten von nonvertebralen Frakturen bedroht sind.
Einnahmemöglichkeiten
Die einmal tägliche Gabe von Actonel 5 mg kann sowohl morgens nüchtern, eine halbe Stunde vor dem Frühstück, als auch zu einer beliebigen Tageszeit mit 2 Stunden Abstand zur Nahrungsaufnahme erfolgen. Die neue einmal wöchentliche Gabe sollte jeweils am gleichen Wochentag morgens eine halbe Stunde vor dem Frühstück erfolgen. Der zeitliche Abstand zur Nahrung ist wichtig, weil alle Bisphosphonate bei gleichzeitiger Nahrungsaufnahme nur schlecht resorbiert, d.h. vom Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden. Deshalb sollten calciumreiche Lebensmittel oder Calcium-Tabletten zu einer anderen Tageszeit eingenommen werden.
Zusammenfassung
Zahlreiche Studien haben in der Vergangenheit belegt, dass Osteoporose-Patienten von einer Bisphosphonat-Therapie deutlich profitieren - insbesondere wenn bereits ein erster Knochenbruch eingetreten ist. Dabei ist es wichtig, dass das Medikament schnell das Risiko für weitere Knochenbrüche vermindert und langfristig gut vertragen wird. Mit Actonel einmal wöchentlich wurde nun ein modernes Medikament eingeführt, das neben der schnellen und starken Wirksamkeit gleichzeitig eine gute Verträglichkeit und einen hohen Einnahmekomfort bietet.
Quellen
- Osteoporosis Int. 2002 Vol13.Suppl S16/S18/S8
- Arzneimitteltherapie 2001 19:38-44
- The Endocrine Society (Watts/Brown/Lindsay)
Zusammenstellung von Netzwerk-Osteoporose e.V.
Karin G. Mertel
Janusz Bugaj, Arzt für Innere Medizin PL
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