Aktualisiert am 04.02.2012

Netzwerk-Osteoporose e.V.

www.netzwerk-osteoporose.de
Sie befinden sich auf:
Startseite arrow Presseschau
Symposiums Bericht Bangkok (März 2007) Drucken
„Soja in der täglichen Ernährung – ein Beitrag zur Gesundheit“
Neue Erkenntnisse zu Wirkungen von Soja und Sojainhaltsstoffen


An der Erforschung der Gesundheitswirkungen von Soja besteht seit mehr als 15 Jahren ein intensives Interesse. Beim 7. Internationalen Soja-Symposium [1] diskutierten führende Wissenschaftler neueste Forschungsergebnisse.

Soja und Verbesserung des Cholesterinprofils

Untersuchungen der letzten Jahre bestätigen den cholesterinsenkenden Effekt einer Ernährung mit Soja und damit den gesundheitlichen Nutzen für das kardiovaskuläre System. Bei erhöhtem Cholesterin ist durch Soja eine LDL-Senkung von 3-5% zu erzielen - bezogen auf eine Aufnahme von 25 g isoflavonhaltigem Sojaprotein/Tag. Zugleich ist eine Anhebung des HDL um bis zu 3% möglich, berichtete Prof. Suzanne Ho von der Chinese University of Hong-Kong. Deutlichere Cholesterinsenkungen sind mit einem höheren Sojaverzehr erreichbar, eine Dosis-Wirkung-Beziehung gilt als gesichert. Nach einer Bevölkerungsstudie in Hong-Kong sind die niedrigsten Cholesterinblutwerte mit den höchsten Verzehrmengen an Sojaprodukten assoziiert.
Auch Menschen mit bereits normgerechten Blutlipidwerten profitieren von einem Sojaverzehr. Bei prämenopausalen Frauen in Japan führen täglich 400ml Sojamilch zu einer Abnahme des Gesamtcholesterins um im Mittel 5,3%.
Nach derzeitiger Einschätzung bedeutet eine Cholesterinsenkung um 3% eine Risikominderung für Koronare Herzkrankheiten von etwa 10%.

Soja und arterieller Gefäßschutz

Das gefäßpräventive Potenzial geht von den Soja-Isoflavonen aus. Isoflavone zählen zu den Polyphenolen, sie wirken cholesterinsenkend, daneben antioxidativ, antientzündlich und sie verbessern die Funktion des Gefäßendothels im Sinne höherer Elastizität und Dilatationsfähigkeit, so Prof. Paul Nestel, Baker’s Heart Research Institute/Australien.
Damit es zur Isoflavonwirkung kommen kann, sind bestimmte Stoffwechselvorgänge im Darm des Menschen von entscheidender Bedeutung. Die Soja-Isoflavonglykoside Daidzin und Genistin werden im Dünndarm durch Abspaltung der Zuckerkomponente in die Isoflavon-Aglykone Daidzin und Genistin umgewandelt. Aus Daidzein können Darmbakterien Equol (4‘,7-Dihydroxyisoflavan) und andere Metabolite bilden. Equol kann resorbiert werden und ist nach dem Sojaverzehr im Blut und Harn nachweisbar.
Equol gilt als „Schlüsselmetabolit“. Allerdings ist das intestinale Equolsynthesevermögen verschieden ausgeprägt. In der kaukasischen Bevölkerung gelten generell 20-30% als Equolbildner, bei den Japanern etwa 50%. „Equolbildner“ reagieren ausgeprägter auf Soja bzw. Sojaisoflavone. Das gilt beispielsweise für Cholesterinsenkung (LDL: Mittel –8,6%) und anti-inflammatorische Effekte (CRP: Mittel -42%), wie Prof. Ken Setchell vom Cincinnati Children’s Hospital Medical Center/USA berichtete.

Soja und Risikominderung für Krebs

Hinsichtlich der Senkung des Brustkrebsrisikos durch Soja weisen Untersuchungen auf eine deutliche Dosis-Wirkung-Beziehung hin. Bei Chinesinnen mit höchstem Sojaverzehr (75. Perzentile: 1250g Sojaprodukte/Woche) besteht im Vergleich zur Gruppe mit geringstem Sojaverzehr (25 Perzentile: 350g/Woche) ein um 34% geringeres Brustkrebsrisiko. Neu sind zudem die Erkenntnisse, dass ein protektiver Effekt ausgeprägter ist, wenn bereits in Kindheit und Pubertät, einer frühen Phase von Brustzellwachstum und –differenzierung, regelmäßig und reichlich Soja verzehrt wird. Das Risiko für Brustkrebs ist dann annähernd halbiert, so Dr. Yu-Tang Gao vom Shanghai Cancer Institute. Eine Empfehlung zum Sojaverzehr bei Mädchen aus Brustkrebsfamilien wurde daher von den Fachleuten positiv diskutiert.
Bisherige epidemiologische Untersuchungen zu möglichen Sojawirkungen bei Prostatakrebs weisen auf eine Risikominderung durch regelmäßigen Sojakonsum hin. Interventionsstudien bei Männern mit Prostatakrebsrisiko und erhöhtem PSA (Prostata-spezifisches Antigen, Krebsmarker) ergeben, dass eine Supplementation mit Sojaisoflavonen zur PSA-Senkung oder zur Verlangsamung des PSA-Anstiegs führen kann. Eine neuere Untersuchung zeigt, dass eine täglichen Aufnahme von 40g Sojaprotein (= 107mg Isoflavonaglykone) zur signifikanten Senkung der Expression von Androgenrezeptoren in der Prostata führt. Dies wird als krebsrisikomindernd bewertet, berichtet Prof. Mindy Kurzer von der University of Minnesota, USA.

Soja und Osteoporoseschutz

Ein weiterer Schwerpunkt beim 7. Internationalen Soja-Symposium waren Arbeiten zur Knochengesundheit. Wirkungen einer Langzeitgabe von Sojaisoflavonen wurden in den USA mit der OPUS-Studie (Osteoporosis Prevention Using Soy Study) überprüft. Eine zweijährige Supplementation mit täglich 120mg Isoflavonen, 1000mg Kalzium und 400IE Vitamin D ist ohne das Auftreten von Nebenwirkungen zulässig und führt bei postmenopausalen Frauen zu verbesserter Mineraldichte in allen Knochen, berichtete Prof. William Wong, Baylor College of Medicine, USA.
Die Shanghai Women’s Health Study ist eine prospektive Kohortenstudie an mehr als 75.000 Frauen. Dabei werden seit 1997 auch über 24.000 postmenopausale Frauen erfasst, die zuvor weder Hormonersatztherapien (HRT) erhalten, noch Knochenfrakturen erlitten hatten. Zwischenergebnisse zeigen eine signifikant inverse Beziehung zwischen Frakturrisiko und regelmäßigem Verzehr von Sojaprodukten (Tofu u.a.). Dies gilt vor allem für Frauen in den ersten 10 Jahren der Menopause. Knochenbrüche treten in der Gruppe mit dem höchsten Verzehr im Vergleich zur Gruppe mit niedrigster Sojaaufnahme nur annähernd halb so oft auf, so Prof. Yu-Tang Gao vom Shanghai Cancer Institute.
Eine Untersuchung an jungen Mädchen (14-16 Jahre) in Hong-Kong ergab, dass der tägliche Verzehr von 375 ml Kalzium-angereicherter Sojamilch (600mg Kalzium, 54 mg Isoflavone) im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne Milchkonsum zu verbessertem Knochenstatus führt. Nach einem Jahr kam es bei den Mädchen mit Sojakonsum zu stärkerem Zuwachs an Knochenmineraldichte und Knochenmineralgehalt in allen Abschnitten der Hüfte – gemessen mit der Dual Energie X-Ray Absorptiometrie (DEXA), erläuterte Prof. Suzanne Ho von der Chinese University Hong-Kong.

Soja und Wechseljahrsbeschwerden

Hitzewallungen sind für etwa 50% der Frauen in den Wechseljahren bzw. der Postmenopause charakteristische und unangenehme Begleiterscheinungen, die bis zu 10 Jahre andauern können, berichtet Prof. Aedin Cassidy von der University of East Anglia, Großbritannien. Hingegen leiden Frauen in China und Japan allgemein selten unter Hitzewallungen. Supplementations-Studien deuten darauf hin, dass Isoflavone Hitzewallungen in leichtem bis mäßig starkem Umfang reduzieren und dass Frauen mit häufig auftretenden Hitzewellen am stärksten profitieren. Konkretere Aussagen werden von weiteren Untersuchungen mit längerer Anwendungsdauer von Isoflavonen, mit Anwendungsbeginn vor der Menopause und mit Differenzierung nach individuellem Equolsynthesevermögen erwartet, so Cassidy.

Soja und Diabetes mellitus

Soja (z.B. Sojabohnen) zählt zu den Lebensmitteln mit niedrigem glykämischen Index und niedriger Glykämischer Last. Daher gehören mögliche Positivwirkungen bei Menschen mit Diabetes zu den neueren Soja-Forschungsgebieten. Prof. Jung Um Kim, Inje Universität Korea, erläuterte, dass es bei Typ 2-Diabetikern nach sechswöchiger Aufnahme von 50g Sojaprotein (>165mg Isoflavone) und 20g Sojaballaststoffen zu signifikanten Verbesserungen des Blutlipidprofils kommt: LDL –10%, Nüchtern-Triglyceride –22%, LDL/HDL-Quotient –14%. Die Blutzuckerregulation und HbA1c werden hingegen nicht beeinflusst.
Bei Typ 1-Diabetikern gibt es Hinweise, dass eine ergänzende Formulanahrung mit 16% Sojaprotein postprandiale Hyperglykämien im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit sojafreier Standarddiät günstig beeinflusst. Sojaproteine führen dabei nach bisherigen Erkenntnissen zu keiner ungünstigen Beeinflussung, teils sogar zur Verbesserung der renalen Funktion.

Zum Abschluss des Symposiums wurde der erhebliche Forschungsaufwand der letzten 15 Jahre hervorgehoben, der den gesundheitlichen Nutzen von Soja von aufzeigt. Zugleich wurde auf weiteren Forschungsbedarf hingewiesen – beispielsweise im Bereich des Diabetes oder hinsichtlich der Linderung von Wechseljahrsbeschwerden der Frau.
Auch die Equolforschung stellt eine Herausforderung dar. Dazu gehört die Klärung, wie die intestinale Equolbildung durch andere Nahrungsfaktoren (z.B. Kohlenhydrate) oder aber Präbiotika begünstigt werden kann. Aufgrund interindividueller Unterschiede in der Equolbildung könnte bei zukünftigen Untersuchungen ein entsprechendes Präscreening von Probanden bzw. Patienten im Vorfeld von Interventionsstudien hilfreich sein.



[1] Quelle: 7th International Soy Symposium „Role of Soy in Health and Disease Prevention“, 7.-9.3.2007, Bangkok, www.soyconferencebangkok2007.com

 
Hilfe
Seitenübersicht
Impressum
Schrift größer
Schrift normal
Schrift kleiner
Drucken