Aktualisiert am 07.09.2010

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Schmerz bei Osteoporose im Fokus Drucken
1. Europäischer Schmerzkongress in München

Von Karin G. Mertel

Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Patienten funktioniert! Bestes Beispiel dafür war der erste Europäische Schmerzkongress, der Ende Mai in München veranstaltet wurde. „Gegen den Schmerz. Für ein aktives Leben. Schmerztherapeutische Maßnahmen am Bewegungsorgan“, so der Untertitel des Kongresses – im Fokus also: Schmerzen bei Rheuma und Osteoporose.
Neben hochrangigen Experten aus Medizin und Wissenschaft waren erstmals auch PatientenvertreterInnen zu dem Kongress eingeladen, ein Beispiel, das Schule machen sollte. Nichts fördert die Compliance und die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient mehr, als das Gefühl eines beiderseitigen Anerkennens und Verstehens. Aus diesem Grund ein herzliches Dankeschön für die Einladung!

Gerade der Schmerz ist eines der Leitsymptome der Osteoporose. Schmerz treibt den Patienten zum Arzt; er möchte, dass der Arzt seine Schmerzen erträglich macht. Dies ist zwar mit einer Schmerztherapie möglich, diese kann aber nur dann auf Dauer erfolgreich sein, wenn auch das Grundleiden mitbehandelt wird. Gerade bei Osteoporose als chronischer Erkrankung, die dauerhaft therapiert werden muss, ist dies extrem wichtig, denn schließlich kann nur so einem weiteren Verlust von Knochenmasse entgegengewirkt werden – und genauso wichtig: Nur dadurch kann der Betroffene seine Lebensqualität auch dauerhaft erhalten.
Stichwort Lebensqualität: Gerade deswegen spielt die Schmerztherapie bei Osteoporosepatientinnen und –patienten eine wichtige Rolle.

Lang anhaltende oder häufig wiederkehrende Schmerzreize verändern die Reaktionsbereitschaft unseres Nervensystems. Eine anhaltende Aktivierung von Schmerzrezeptoren beispielsweise führt nicht nur zu einem „Schmerzgedächtnis“, sondern auch zu einer übersteigerten angstgeprägten Erwartungshaltung gegenüber einem wiederkehrenden akuten Schmerzerleben, so Prof. Dr. W. Zieglgänsberger aus München. Mit anderen Worten: Psychische Faktoren wie Angst und depressive Verstimmung, früher oft vernachlässigt und als bloße Reaktionen auf Schmerzen eingestuft, sind nach neueren Erkenntnissen wichtige Komponenten in der körpereigenen Schmerzverarbeitung und spielen somit auch in der Behandlung eine wichtige Rolle.
Diese stützt sich nicht nur auf Medikamente: Bei der physikalischen Schmerztherapie der Osteoporose können elektrische (Elektro-Therapieverfahren), thermische (direkte Wärme, Hochfrequenzbestrahlungen oder Wärmelichtbestrahlungen) und mechanisch-dynamische (Massage, Krankengymnastik) Reize eingesetzt werden.
Dabei, so erläuterte Prof. Dr. Uwe Lange aus Bad Nauheim, setzt jedoch eine effiziente Schmerztherapie eine Unterscheidung zwischen verschiedenen Schmerzzuständen voraus: Während beispielsweise beim akuten Schmerz in der Regel Schonung und „milde“ Kälteapplikationen bevorzugt werden, kommen bei chronischen Schmerzen eher Krankengymnastik, verbessernde Wärmetherapie, Gleichstrom sowie die „transkutane elektrische Nervenstimulation“ (TENS) zum Einsatz.

Trotzdem: Eine „direkte“ physikalische Therapie der Osteoporose gibt es nicht. Aus diesem Grund ist die genaue Identifizierung des Schmerzes und die darauf abgestimmt Behandlung wichtig.
Empfehlungen zur Physikalischen Schmerztherapie fur Patienten mit Osteoporose, differenziert nach akuten, chronischen und chronifizierten Schmerzen beinhaltet die folgende Abbildung:

Osteoporose
Empfehlungen zur Physikalischen Schmerztherapie
Symptom Methoden
Akuter Schmerz
Fraktur
Radikulärsyndrom
Pseudoradikulärsymptom
Blockierung
„Milde“ Kälte, Stöckli-Wickel (18°C)
„Entlastende“ Lagerungen
supportives Mieder
TENS
Chronischer Schmerz
ossär
muskulär/ligamentär
neurogen




Bewegungstherapie
formative Druck- und Zugreize
Ausdauerbelastung („fitness“)

Manuelle Therapie („Weichteiltechniken“)
Thermotherapie (Peloide, KW, „Heusack“)
Ultraschalltherapie (hf, nf)
Massage (klassische AM, Bindegewebsmassage)
Hydrogalvanisches Vollbad
(„Stangerbad“)
Längsgalvanisation
Lymphdrainage
Chronifizierter Schmerz
„Befindlichkeitsstörung“

Bewegungstherapie
somatisch- und psychosomatisch orientiert
Reflextherapie (FRZ, AP, NT)
Balneologische Thermotherapeutika
Osteopathische Techniken
(viszerale, craniosakrale,
parietale
)

Quelle: Differentialindikative physikalische Therapiestrategien bei Osteoporose
Prof. Dr. Uwe Lange, Abstract 1. Europäischer Schmerzkongress, München


Ebenso bedeutsam ist die Ernährung. Eine vernünftige Ernährungstherapie ist bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wichtig, da sie die Mangel- und Fehlernährung verhindern, den Entzündungsprozess vermindern und den Folgen der Erkrankung, wie beispielsweise der Osteoporose, vorbeugen kann. Durch richtige Ernährung können Entzündungen gehemmt und dadurch auch Schmerzen vermindert werden, wie Prof. Dr. O. Adam aus München erklärte. Insbesondere die Verminderung der Zufuhr tierischer Fette, sowie die Steigerung der Zufuhr von Omega-3 Fettsäuren und bestimmter Antioxidanzien spielen eine große Rolle, wie durch mehrere kontrollierte Studien beweisen werden konnte.
Extreme Ernährungsformen oder Diäten sind nicht geeignet, um eine lang andauernde Krankheit zu besiegen – bei rund 40 Prozent der Patienten kann aufgrund einer bestimmten Ernährungsform bzw. Diät eine Mangel- oder Fehlernährung festgestellt werden.
Die gute Atmosphäre der Tagung und die lebhaften und interessanten Diskussionsbeiträge lassen nur ein Fazit zu: Eine rundherum gelungene Veranstaltung, die neben den fundierten fachlichen Informationen auch eine gute Möglichkeit bot, Experten kennen zu lernen und mit ihnen zu diskutieren. Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, dass auch Patientenfragen erschöpfend beantwortet wurden – wir würden uns freuen, auch beim nächsten Kongress teilnehmen zu dürfen!

Gerne sendet Ihnen das Netzwerk-Osteoporose e. V. gegen Erstattung von 1.45 € Porto die erschienenen Presseartikel zum Schmerzkongress in München zu.

 
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